Buch des Monats10/11 |
![]() |
Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht
Pendragon Verlag, 224 Seiten, 9,95 €
1998 findet Robert Lubisch im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, den SS-Ausweis eines Unbekannten und das Foto einer schönen Frau. Eigentlich hoffte Robert mit dem Auflösen dessen Hausstandes das Kapitel elterlicher Bindungen abzuschließen. Doch das Foto lässt ihm keine Ruhe und er begibt sich auf Spurensuche. Vielleicht hatte der makellose Vater doch eine dunkle Vergangenheit, vor allem, wer ist diese Fremde. Mit dem Vermerk auf der Rückseite des Bildes "Fotoatelier Heuer, Kranenburg" beginnt die Recherche in dem kleinen Dorf.
Und ab da ist nichts mehr so wie es war.
Geschickt springt die Autorin in Vergangenheit und Gegenwart, der Leser findet sich im Jahre 1939, 1942, 1950 und 1998 wieder. Wer das Schweigen bricht ist nicht einfach noch ein weiterer Kriminalroman vor dem Hintergrund der Verbrechen der Nazizeit. Mechthild Borrmann gelingt es "von Menschen zu erzählen, die in drückenden Verhältnissen gelebt haben, die ihren Wünschen und Sehnsüchten gefolgt sind – und sich dabei zuletzt schuldig gemacht haben." (Deutschlandradio)
Kriminalroman, historischer Roman, Geschichte einer Liebe, Geschichte um Freundschaft und Verrat. Vielleicht von all dem ein wenig, spannend von der ersten bis zur letzten Seite, geschieben in einer klaren, poetischen Sprache. Und nicht nur Sätze wie "Wir halten Unglaubliches aus, wenn wir nicht entkommen können. Erst wenn wir davon erzählen, wenn wir später versuchen es in Worte zu fassen, weinen wir. Weil es erst dann wahr wird." machen aus diesem Buch weit mehr als ein Krimi.

