Buch des Monats05/11 |
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Klaus Modick: Sunset
Eichborn-Verlag, 192 Seiten, 18,95 €
Pacific Palisades, am 17. August 1956. Lion Feuchtwanger, geflohen vor den Nazis, ist noch immer im Exil in Kalifornien, obwohl er auch hier argwöhnisch beobachtet wird von den Chargen der McCarthy-Ära.
An diesem Morgen ist er alleine zu Hause. Seine Frau Martha ist unterwegs wegen der leidigen Geschichte mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Sie hat ihm Zettel mit Anweisungen im Haus verteilt, damit der etwas weltfremde und den alltäglichen Dingen des Lebens abholde Lion, der inzwischen auch etwas vergesslich geworden ist, den Tag ordentlich übersteht.
Just an diesem Morgen erhält er ein Telegramm mit der Nachricht vom plötzlichen Tod Bertholt Brechts, der ihn tief erschüttert, verband ihn doch eine lange tiefe Freundschaft mit diesem. Sie begann in den zwanziger Jahren, im München der Räterepublik, als Brecht bei Feuchtwanger vorstellig wurde und nicht unbescheiden verlangte, er solle mit seinem Einfluss dafür sorgen, dass das von ihm verfasste Bühnenstück "Spartakus" zur Aufführung komme. (Daraus wurde später das Stück "Trommeln in der Nacht".)
Amüsiert und gleichzeitig fasziniert von diesem Flegel begann Feuchtwanger, der das Genie bei Brecht sofort erkannte, mit diesem zusammen zu arbeiten.
Eine ungewöhnliche, jedoch sehr erfolgreiche Kooperation der beiden ungleichen Schriftsteller begann: der erfolgreiche, bürgerliche und wohlhabende Feuchtwanger und der exzentrische, marxistische und mittellose Intellektuelle Brecht.
Die Nachricht vom Tod Brechts, weckt in Feuchtwanger zahllose Erinnerungen, und während er durchs Haus geistert, und nach Marthas Zetteln sucht, tauchen Bilder aus der Vergangenheit auf.
In Episoden blicken wir zurück auf diese ungewöhnliche Freundschaft und gleichzeitig auf Feuchtwangers Werdegang. Modick erzählt hier sehr amüsante Anekdoten aus dem Leben beider Schriftsteller und dem nicht immer einfachen Zusammenleben mit anderen Exilautoren der Kolonie am Pazifik. Die Familie Mann, Alfred Döblin, Vicky Baum, Leonhard Frank, Franz Werfel, Ludwig Marcuse und etliche andere Autoren fanden hier Zuflucht.
Herrlich ist auch beschrieben, wie Brecht stets von der Gutmütigkeit und Großherzigkeit Feuchtwangers profitierte, und dieser immer gelassen reagierte. Letztendlich rettete er seinen Freund vor dem Ruin, da man in Hollywood Brechts Stücke nicht spielen wollte. Dieses ungleiche Paar arbeitete gleichwohl sehr kreativ zusammen und das mit Erfolg.
Dieses Buch macht Spaß bis zur letzten Seite, es ist mit Leichtigkeit und amüsant geschrieben und nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über Brecht und Feuchtwanger und die Literaturszene im Exil.

