Buch des Monats06/11 |
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Julie Orringer: Die unsichtbare Brücke
Kiepenheuer & Witsch, 820 Seiten, 24,95 €
Orringer erzählt die ergreifende Geschichte der ungarisch-jüdischen Familie Levi und ihrer drei Söhne, beginnend im Jahre 1937. Die beiden älteren Brüder Andras und Tibor stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Andras verlässt Ungarn in Richtung Paris, um Architektur zu studieren, während sein älterer Bruder Tibor auf ein Stipendium wartet, um sich in Italien als Student der Medizin einzuschreiben.
In Paris verliebt sich Andras in die neun Jahre ältere Claire Morgenstern, ebenfalls ungarische Jüdin, die sich ihren Unterhalt als Ballettlehrerin verdient.
So beginnt eine Amour fou, die viele Prüfungen überstehen muss, wobei ein dunkles Geheimnis aus Claires Vergangenheit diese beginnende Liebe überschattet.
Auch Tibor findet nach einigen Wirrungen seine große Liebe in Italien.
Durch den Kriegsausbruch finden sich die Brüder Levi und ihre Frauen in Budapest wieder. Schnell wird die Freude über das Wiedersehen mit der ganzen Familie zum Alptraum. Die jüdische Bevölkerung wird in Arbeitslager verfrachtet und quer durch ganz Ungarn gehetzt. Sie erleben die Grausamkeiten der Arbeitslager und den täglichen Kampf ums Überleben.
Gleichzeitig ist da immer noch das Geheimnis aus Claires Vergangenheit, das wie eine Bedrohung über ihnen schwebt.
Orringer hat einen opulenten Familienroman vorgelegt, in dem sie die Geschichte ihrer Großeltern und deren Familien erzählt. Sie versteht es hervorragend, den Zeitgeist sowohl in Paris als auch in Budapest aufzuzeigen.
Bisweilen hätte man den Protagonisten etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Trotzdem ist dieses Buch der geeignete spannende Ferienschmöker.

