Buch des Monats

03/11

Frau und Buch

Alex Capus: Léon und Luise

Hanser Verlag, 315 S., 19,90 €

Cover: Leon und Luise"Zu der Zeit, da mein Großvater Louise Janvier kennen lernte, war er siebzehn Jahre alt. Ich stelle ihn mir gerne als ganz jungen Mann vor, wie er im Frühling 1918 in Cherbourg seinen Koffer aus verstärktem Papier aufs Fahrrad band und das Haus seines Vaters für immer verließ." Mit diesen Sätzen beginnt Léons Enkel die Geschichte seines Großvaters und dessen große, lange Zeit ungelebte Liebe zu Louise. Sie begegnen sich das erste mal auf der Landstraße Richtung Saint-Luc-sur-Marne .Louise überholt Léon mit ihrem quietschenden Fahrrad, Léon ist verzaubert und ob er will oder nicht, muss er immerzu an sie denken. Irgendwann begegnen sie sich wieder und nach vielen abendlichen Spazier-gängen, brechen sie mit ihren Fahrrädern zu einem Ausflug ans Meer auf , wo ihre zarte Liebe beginnt. Auf der Heimfahrt jedoch von einem der letzten deutschen Fliegerangriffen beendet wird. Schwer verwundet trennen sich ihre Wege – die Suche nach einander bleibt erfolglos und beide glauben an den Tod des Anderen.

Léon zieht nach Paris, arbeitet im Polizeilabor, heiratet, gründet eine Familie und ist ein vorbildlicher, gewissenhafter und rechtschaffender Vater und Gatte, dennoch lebt eine andere, große Liebe in seinem Kopf weiter. 1928 sieht er plötzlich Louise in der U-Bahnstation. ...

Alex Capus hat mit "Léon und Louise" eine wunderbare Liebesgeschichte geschrieben, gleichzeitig auch einen großen Roman über Frankreich und das zwanzigste Jahrhundert; über das Leben und Überleben der kleinen Leute in zwei Kriegen.

Am Anfang sagt der Enkel über sich " ich teile den morbiden Humor und die fröhliche Melancholie meiner Brüder, Väter und Großväter ..." und mit diesem Humor erzählt er seine Familiengeschichte, von dem Großvater mit den zwei Lieben, von Verlierern, Illusionisten und Träumern. "Wenn die meisten von uns trotzdem ganz ordentlich durchs Leben kommen, so verdanken wir das zur Hauptsache unseren Frauen. Alle meine Schwägerinnen, Tanten und Großmütter väterlicherseits sind starke, lebenstüchtige und warmherzige Frauen, die ein diskretes aber unbestrittenes Matriarchat ausüben ...."

Manchmal ist "Léon und Louise" ein modernes Märchen, manchmal wieder eine Geschichte vom Leben in den Zeiten und dann wieder eine Geschichte vom Fahrrad, das durch viele Romane von Capus fährt, und der Klingel mit der einst die Liebe begann und mit der sie am Sarg von Léon endet. Ein Buch mit viel Achtung vor den Menschen und dem Leben.

Vieles ist "Eine Frage der Zeit", beim Lesen wird es "Fast ein bißchen Frühling" und die Frage "Glaubst Du daß es Liebe war" erübrigt sich zu letzt!!!!
(Drei Titel von Capus die eben solchen Lesespaß bereiten.)