Autor des Monats05/10 |
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Oskar Maria Graf
Oskar Maria Graf am 22. Juli 1984 in Berg am Starnberger See, als 9. Kind von Max und Therese Graf geboren, besucht von 1900 die Werktagsschule in Aufkirchen. Er verbringt, bis zum Tod seines Vaters, 1906 eine nahezu geborgene Kindheit in der gutgehenden Bäckerei. Seine Liebe zur Literatur verdankt er seinem Bruder Lenz, der ihn schon früh mit Autoren der Weltliteratur vertraut macht. Die prügelharten Jugendjahre beginnen, nachdem der gewalttätige Bruder Max jetzt die Herrschaft über die Backstube übernimmt. Das freiheitlich demokratische Denken seines Vaters hat Oskar geprägt und sein Widerstand gegen jegliches Obrigkeitsdenken und die Gewalttätigkeiten von seiten des großen herrischen Bruders, zwingen ihn 1911 aus dem elterlichen Haus nach München zu fliehen.
Er findet Freunde in der schwabinger Bohème und in anarchistischen Kreisen. Politisiert sich schnell, befreundet sich mit Erich Mühsam, Franz Jung, Rainer M Rilke, dem Maler Georg Schrimpf, mit dem er 1913 ins Tessin reist, wo er mittellos ein rechtes Lotterleben lebt.
Diesem Überdrüssig geworden, reist er nach München zurück. Er veröffentliche einzelne Gedichte und kurze Texte in der "TAT" , dem Simplizissimus oder in der "AKTION" 1914 wird er zum Militär eingezogen, kommt an die Ostfront, wird 1916 als Befehlsverweigerer in die Irrenanstalt Haar eingewiesen, und nach kurzer Zeit als "dienstunbrauchbar" entlassen.
1917 heiratet er in einem Anfall aus Mitleid Karoline Brettinger, die ehemalige Freundin von Schrimpf. Diese Ehe war von Anfang an unglücklich, aus ihr geht sein einziges Kind, die Tochter Annemari, genannt Annamirl, hervor, die später von seiner Mutter großgezogen wird.
Nachdem Mirjam Sachs, "das Fräulein", in seinem autobiogr. Roman "Wir sind Gefangene", in sein Leben tritt, trennt er sich von seiner Frau. Er führt wieder ein wildes Lotterleben und schnorrt sich durch. Ab und an versucht er seinen Unterhalt mit Schreiben zu finanzieren, erhält Stipendien, veröffentlicht Gedichte und Erzählungen oder bekommt Rezensionsaufträge von Zeitungen oder verdingt sich als Schieber. 1917 Veröffentlichung seines ersten Gedichtsbandes "Die Revolutionäre" . Nach Beteiligung an der Räterepublik, Verhaftung und kurze Gefangenschaft. Arbeitet zeitweise als Dramaturg an der "Neuen Bühne", hier begegnet er erstmals Berthold Brecht.
In diesem Jahr stirbt seine Schwester Emma. Seine Schwester Anna wandert 1922 nach Amerika aus und O.M. begleitet sie nach Hamburg. 1924 hat er seine erste erfolgreiche öffentliche Lesung in München. 1925 erscheint der Familienroman "Chronik von Flechting" Nun kommen die "guten" erfolgreichen Jahre mit vielen Veröffentlichungen. 1928 gelingt ihm der Durchbruch zum literarischen Geschäft mit der Auftragsarbeit "Das bayrische Dekameron" . Seinen ersten erfolgreichen Roman "Bolwieser" veröffentlicht er 1931.
1933 beginnt sein vorerst freiwilliges Exil in Wien. Bei der Bücherverbrennung wurden seine Werke verschont, er wurde sogar auf die weiße Liste der von den Nazis empfohlenen Autoren gesetzt, worauf er den Aufruf „Verbrennt mich!“ schrieb, der in vielen deutschen und ausländischen Zeitungen veröffentlicht wurde. 1934 zieht Graf nach Brünn und reist von Juli bis Oktober mit anderen namhaften antifaschistischen deutschen Schriftstellern (u.a. Klaus Mann, J.R. Becher. G. Regler. A.Scharrer., W. Bredel, E.Toller, Th. Plivier,) zum Schriftstellerkongress nach Moskau und durch den Süden der Sowjetunion. Vor rund tausend Zuhörern berichtet er in Brünn von dieser Reise, sein Bericht "Reise in die Sowjetunion 1934" erscheint erst 1974. Es sind fruchtbare Jahre in Brünn. 1938 reist Graf als Delegierter der deutschen Gruppe zum intern. P.E.N.-Kongress nach Prag. Im gleichen Jahr fliegen Graf und Mirjam Sachs über Deutschland nach Holland und emigriert mit der "Veedam" von Rotterdam nach New York. Im September 1938 bezieht er mit Mirjam Sachs eine Wohnung in New York.
Am 6.6.1939 hält er die Totenrede für seinen Freund Ernst Toller, der sich am 22.5. das Leben nahm.
1940 schreibt er sein Buch "Das Leben meiner Mutter" zu Ende. Es erscheint im November in englischer Sprache in New York, das erst 1946 in deutscher Sprache erscheint.
Bis 1957 arbeitet er an verschiedenen Romanen, Erzählungen und Essays. Im Dezember 1957 wird wird Graf – nach Streichung des Absatzes über die Verteidigungsbereitschaft mit der Waffe in der Hand – als amerikanischer Staatsbürger vereidigt. Bis dahin war er Staatenlos, was bedeutete, dass er die USA nicht verlassen konnte. 1958 dann erste Europareise, Eklat wegen seiner Lesung in Lederhosen im Cuvilliestheater während der 800-Jahr-Feier der Stadt. 1959 Krankenpflege Grafs am Bett von Mirjam bis zu deren Tod am 11.11.1961. Beginn von „Gelächter von außen“ abgeschlossen im November 1965, erscheint 1966 im Verlag Desch/München.
1963 Erholungsaufenthalt in Arizona, Treffen mit Bruder Eugen und Lenz. 1964 dritte Europareise. Ehrung in Berg und durch die Bäckerinnung in München. Kuraufenthalt in Reichenhall. 1965 letzte Europareise. 1966 Graf schreibt Briefe an Papst Paul gegen Atomrüstung. 1967 Graf stirbt am 28.Juni im Mount Sinai Hospital in New York. 1968 Beisetzung der Urne in München.
Wer nun Lust auf Oskar Maria Grafs Werke hat, dem seien vor allem die autobiografischen Romane empfohlen. Allen voran
- "Das Leben meiner Mutter", aber auch
- "Wir sind Gefangene"
- "Gelächter von außen" und
- "Die Flucht ins Mittelmäßige"
Der Cardabela-Buchladen macht vom 14.-16.5.2010
seine erste Literatour
Auf den Spuren von Oskar Maria Graf

