Buch des Monats

09/10

Frau und Buch

Isabel Allende: Die Insel unter dem Meer

Suhrkamp Verlag, 553 S., 24,90 €

"Tanz, Zarité tanz, denn ein Sklave, der tanzt ist frei ... solange er tanzt".

Zarité hat immer getanzt!

In ihrem neuen Roman lässt Isabel Allende die Mulattin Zarité von ihrem Schicksal erzählen.

Bereits mit neun Jahren wurde sie als Dienstmagd an den Plantagenbesitzer Toulouse Valmorin verkauft. Zarité, genannt Tété, spürt schon von klein auf den Drang nach Freiheit und träumt den Traum aller Sklaven, irgendwann als freier Mensch leben zu können.

Sie arbeitet hart und wird von ihrem Besitzer in dessen Bett gezwungen. Nach der Geburt eines Jungen, wird ihr dieser sofort weg genommen, und sie muss weiterhin ihrem „Herrn“ zu Diensten stehen. Sie begegnet ihrer großen Liebe, einem Sklaven auf der Zuckerrohrplantage, doch auch dieser verlässt sie um mit den Aufständischen in den Bergen für die Abschaffung der Sklaverei zu kämpfen.

Sie wird wieder schwanger und ihre Tochter Rosette darf bei ihr bleiben und wächst zusammen mit Valmorins legitimem Sohn auf.

Als der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Dominique, dem heutigen Haiti zu eskalieren droht, flieht Tété mit ihrer kleinen Tochter, Valmorin und dessen Sohn in letzter Minute aus der brennenden Stadt La Cap nach Kuba, wo sie für einige Zeit leben.

Doch schon bald bietet sich für die weißen Herren New Orleans als neues Betätigungsfeld an, und ihre Sklaven müssen natürlich mit.

So findet sich ein Großteil der früheren Gesellschaft von Saint-Dominque hier wieder, baut sich neue Netzte auf, um die Geschäfte wieder in Gang zu bringen. In der bunten kreolischen Gesellschaft erhält Tétés Freiheitsdrang neue Nahrung und sie findet Mitstreiter, die sie unterstützen.

Am Ende wird ihre Beharrlichkeit belohnt, und ihr "Herr" wird gezwungen, ihr die Freiheit zurück zu geben.

Isabel Allende beschreibt diese Familiengeschichte, eingebettet in die politisch-gesellschaftliche Situation von Haiti in den Jahren 1770-1810 mit großem Einfühlungsvermögen.

Dieser historische Romanist lehrreich und gleichzeitig spannend und man durchleidet mit Tété hautnah die menschenverachtende Praxis der Sklaverei.