Buch des Monats12/09 |
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T Cooper: Lipshitz
Mareverlag, Taschenbuch, 496 Seiten, 9,95 €
gebundene Ausgabe, 430 Seiten, 24,90 €
T Cooper ist Nachfahre der Familie Lipshitz. Der Roman erzählt die Familiengeschichte der Lipshitzen ("Ich weiss nie, wie man den Plural richtig bildet."), beginnend 1907 als die Familie mit ihren Kindern auf der Flucht vor antijüdischen Pogromen nach Amerika aufbricht. Kaum angekommen auf Ellis Island, verschwindet im Getümmel des Einwanderungsstroms der jüngste Sohn Ruben. Auf den folgenden etwa 350 Seiten werden ein eingesprengten Rückblicken die traumatischen Erlebnisse vor der Flucht beschreiben, hauptsächlich allerdings die skurrilen Geschichten der verschiedenen Lipshitzen in einem Amerika, das noch antijüdische Verordnungen hat und von Armut geprägt ist. Die Familie trägt schwer an dem Verlust von Ruben, noch prägender wird allerdings, dass Esther Lipshitz zu der Überzeugung kommt, Charles Lindbergh müsse ihr verlorener Sohn sein. Mehr soll hier zu der wunderbar erzählten Geschichte nicht verraten werden.
Nach etwa 400 Seiten kommt der Bruch. "Das war nicht der Schluss. Der Schluss kommt jetzt." so T Cooper, genetisch "der letzte lebende Lipshitz". Er erzählt mit sorgloser politischer Unkorrektheit, Gossenausdrücken und einem äußerst frechen bis bösem Charme als Ich-Erzähler aus seinem Leben in New York. Wir sind nun im 21.Jahrhundert, T Cooper arbeitet als Imitator des Rappers Eminem auf Bar-Mizwas. Als seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, reist er an seinen Geburtsort und in die Vergangenheit, um die Beerdigung seiner Eltern vorzubereiten. Zurück in New York, dieses und jenes passiert, er landet im Krankenhaus. Sonderbar, dass er in seinem Pass bei "Geschlecht ein W" stehen hat? Ein Fall für den Therapeuten?
Was hier alles verbindet ist das Spiel mit Identitäten, die Frage nach der Identität. "Vielleicht haben sie alle Fakten, aber wer ich wirklich bin, werden sie nie erfahren."
Ich habe das Buch von einer Freundin empfohlen bekommen und es mit Begeisterung gelesen. Nach der Lektüre haben wir darüber telefoniert und gerätselt, ob T Cooper nun ein Mann oder eine Frau ist. Natürlich habe ich mittlerweile im Internet recherchiert :-)

