Buch des Monats

04/09

Frau und Buch

Maria Barbal: Inneres Land

Transit Verlag, 400 Seiten, 22,80 €

Mit dem Satz "Keine einzige Freude konnte dich jemals glücklich machen" beginnt der Folgeroman von Wie ein Stein im Geröll .

"Inneres Land" ist eine Ich-und-Du-Geschichte, die imaginär Ansprache einer Tochter an ihre Mutter, immer auf der Suche nach einem kleinen Liebesbeweis. Doch der bleibt aus.

Zu sehr ist die Mutter in ihrem Schmerz, ihrem Leid verwurzelt. Nie hat sie die Trauer über die Ermordung ihres Vaters durch die Franco-Faschisten ablegen können. Nie den Hass gegenüber den mitverantwortlichen Nachbarn.

Rita, Tochter und Ich-Erzählerin, beginnt ihre Rede an die Mutter im Kindesalter; und so wie sie erwachsen wird, wird auch die Sprache erwachsen. Damit gelingt Maria Barbal ein ungewöhnlich starker Entwicklungsroman, in dem Rita langsam erwachsen wird, in dem vorsichtig Türen zum „Inneren Land“ der Mutter geöffnet werden und der Blick auf ihre Geschichte frei wird. Dieser Blick nimmt uns ein Stück mit in die spanische Geschichte, erzählt von Untaten des Franco-Regimes, die bis heute noch in vielen katalanischen Dörfern unbesprochen und unberührt zwischen ihren Bewohnern stehen.

Rita führt keine Anklage gegen die Mutter, ihre Suche nach familiärer Nähe und Liebe ermöglichen schließlich eine Brücke zwischen Mutter und Tochter, zwischen zwei Generationen mit den unterschiedlichsten Lebens- und Grenzerfahrungen. Als Rita auch ihr Inneres Land entdeckt, wird, wird eine Annährung möglich – die Annährung zweier starker Frauen.

400 Seiten fesselnder Lesestoff, den Maria Barbal in ihrer wunderbar sensiblen und intensiven Sprache erzählt.