Buch des Monats

10/09

Frau und Buch

Wir gratulieren Daniel Alarcon zum Internationalen Literaturpreis.

Der Preis wird zum ersten Mal vergeben vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin und der Stiftung Elementarteilchen.

Daniel Alarcon: Lost City Radio

Wagenbach Verlag, 314 Seiten, 22,90 €

In einem Land, das stellvertretend für viele lateinamerikanische Länder steht, herrscht Jahre nach dem Ende eines blutigen Bürgerkrieges das Vergessen. Jegliche Erinnerungen an die Zeit davor sind ausradiert.

Nur Norma, eine mutige, junge Rundfunkjournalistin hält mit ihrer Sendung Lost City Radio die Erinnerung an Vermisste wach. Eines Tages taucht im Sender aus einem entlegenen Dschungeldorf ein Junge namens Victor auf. Er übergibt eine Liste mit Namen von Verschollenen und Toten. Auf dieser Liste steht auch der Name von Rey, Normas verschwundenem Mann. Plötzlich stellt sich Norma immer wieder die Frage „wer war Rey eigentlich“. Es ist eine Suche nach Wahrheit, die Schritt für Schritt in die Vergangenheit führt.

Daniel Alarcon verwebt geschickt die Lebensgeschichte von Norma, ihrem Mann Rey und Victor dem Jungen. Lost City Radio ist ein spannender und bewegender Roman, der dem Leser die Mechanismen lateinamerikanischer totalitärer Herrschaften (oder auch anderswo) vor Augen führt. Wenn auch die surreale Düsternis manchmal ein wenig zu düster erscheint, hat Alarcon, ein junger Autor, mit seinem Erstlingswerk ein Buch gegen das Vergessen geschrieben. Ich freue mich mit ihm, dem Übersetzer und dem Wagenbach Verlag für die Verleihung des Internationalen Literaturpreises.