Buch des Monats

02/09

Frau und Buch

Aminatta Forna: Abies Steine

Berlin Verlag, 410 Seiten, 22,90 €

Nach ihrem biographischen Roman 'The Devil that Danced on the Water', indem sie über ihren in Sierra Leone ermordeten Vater berichtet, ist mit "Abies Steine" Aminatta Fornas durchaus überzeugendes Romandebüt auch in deutsch erschienen.

Die Rahmenhandlung ist so knapp, wie das Telegramm, das eine in London lebende junge Frau in die Heimat zurückruft, damit sie die verwahrloste Kaffeeplantage des Großvaters übernimmt.

Doch nicht die Rückkehrende steht im Mittelpunkt, sondern die vielen Frauenstimmen und Schicksale, die mit dem Ort verbunden sind. Vier Töchter – ihre Tanten – des alten Patriarchen, der mit zwölf Frauen rund drei Dutzend Kinder gezeugt haben, erzählen von ihrem Leben und damit ein Stück Geschichte Afrikas über fast ein Jahrhundert. Obwohl sie alle am gleichen mystischen Ort geboren sind und ihre Geschichten alle dort ihren Anfang nehmen, entscheidet sich jede von ihnen für ein unterschiedliches, eigenes Leben.

Asana erforscht ihre Träume, tauscht ihr Geburtsrecht als Frau gegen die Freiheit, wie ein Mann unabhängig zu leben, und trotzt im hohen Alter dem Terror marodierender Rebellen.

Mariama erlebt die erstarkende Islamisierung und die damit einhergehende Vernichtung der alten Götter. Sie verliert sich während ihres Studiums in England in tiefe Depressionen und kehrt auf der Suche zu alten Glaubensvorstellungen nach Afrika zurück.

Hawa hat alles verloren, von der Familie ausgestoßen, überlebt sie verbittert Flucht und Gewalt nur mit der Hoffnung auf die Wiederkehr ihres längst ins Soldatenleben entglittenen Sohns.

Serah wächst mit westlicher Orientierung und der schnell zerschlagenen Hoffnung auf politischen Neubeginn auf. Nur der Beschluss keine Angst zu haben, hält sie handlungsfähig als die Welt um sie herum aus den Fugen gerät.

Die vier Stimmen der Frauen erzählen nicht nur eine große Familiensaga, sondern stellen ihre eigenen Perspektiven in den Vordergrund, ihre unterschiedlichen Erfahrungen zwischen Tradition und Moderne. Der Eigensinn der Protagonistinnen, ihr Witz, ihre Geistesgegenwart und ihre Poesie und Magie entführen den Leser/in in einen aus der Zeit gefallenen Ort. Das Land ist ein fiktives afrikanisches Irgendwo, geprägt von Geschichte und Kolonialismus, von der Brutalität jüngerer politischer Konflikte und der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.

Für "Abies Steine" erhielt Aminatta Forna 2008 den LiBeraturpreis. Ein Preis, der von Leserinnen und Lesern vergeben wird und auf Schriftstellerinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika aufmerksam machen möchte. Wir wünschen Aminatta Forna viele begeisterte Leser und Leserinnen überall auf der Welt.