Buch des Monats

09/09

Frau und Buch

Abraham Verghese: Rückkehr nach Missing

Insel-Verlag, 770 Seiten, 24,80 €

Shiva und Marion, eineiige Zwillinge, erblicken das Licht der Welt in den sechziger Jahren in Äthiopien. Geburtsort ist das Krankenhaus der Mission in Adis Abeba. Ihre Mutter, eine indische Nonne stirbt bei der Geburt, der Vater, ein britischer Arzt flüchtet verzweifelt und bleibt verschwunden. Fortan leben die beiden Jungen in der Obhut einer indischen Ärztin, die bald Unterstützung findet durch einen ebenfalls indischen Kollegen des Missionshospitals. Diese vier bilden eine kleine harmonische Familie und die Zwillinge lernen sehr früh, dass der Beruf des Mediziners eine Segnung für die Menschen darstellt, die aus allen Ecken der Region hier Zuflucht und Hilfe suchen und finden. Schon bald dürfen sie assistieren und werden von ihren "Zieheltern" behutsam in die Arbeit im Hospital einbezogen.

Die Harmonie des "Familienlebens" wird jäh gestört, als die heranwachsenden Jungen dieselbe Frau begehren: Shiva begeht einen Verrat an seinem Bruder. Gleichzeitig brechen politische Unruhen in Adis Abeba aus, und Marion muss in einer Nacht- und Nebelaktion Äthiopien verlassen.

Er findet in einem New Yorker Krankenhaus eine Anstellung und arbeitet hier mit großem Engagement und Leidenschaft. Hier erfährt er sehr viel über soziale Ungleichheit in den USA die Diskriminierung von Migranten und die Macht des Geldes.

Doch die Vergangenheit ruht nicht, und er begegnet seinem Vater. Das Drama nimmt seinen Lauf und Marion muss dessen Hilfe, und die seines Bruders in Anspruch nehmen, um sein Leben zu retten. Ausgerechnet den beiden Menschen, die ihn am meisten verletzt hatten, muss er Vertrauen entgegenbringen.

Eine indisch-äthiopische Familiensaga, in deren Mittelpunkt die Liebe zur Medizin und zu den Menschen steht. Die sozialen und politischen Probleme, sowohl in Äthiopien, als auch in den USA bilden den Hintergrund für eine packende Entwicklungsgeschichte.

Bisweilen erinnerte mich dieses Buch an den "Drachenläufer" von Khaled Hosseini.