Buch des Monats

04/08

Frau und Buch

Walther Kauer: Schachteltraum

Lenos Verlag, 442 Seiten, 14,00 €

In seinem Roman >Schachteltraum< erzählt Kauer die Geschichte von Georges Knecht, dessen Vater in Spanien auf der republikanischen Seite kämpft, und dem Fabrikanten Hinrichsen, der vor nichts zurückschreckt, um seine Macht auszubauen.

Georges kommt während des Zweiten Weltkriegs zu einem Großbauern als Verdingbub und erlebt hier als Underdog der Hofhierarchie den Wandel der Zeit und die Wechselspiele der Politik. Er erlebt Schwarzhandel, Schiebereien und die Ausbeutung der internierten Polen.

Hinrichsen, der Fabrikant, übersteht alle Krisen der Zeit und gehört immer zu den Gewinnern, wobei er alle Register der Macht zieht. Nach dem Krieg zieht der Fortschritt ein, Hinrichsen baut eine Maschinenfabrik und die ersten Gastarbeiter aus Italien treffen ein. Georges Knecht engagiert sich für die neuen Mitbewohner, und muss flüchten, als er versucht, den Mord an einem Italiener aufzuklären.

Er findet Zuflucht in Südfrankreich und beginnt, seine Geschichte aufzuschreiben und erhält Unterstützung vom dortigen Pfarrer, ein Kampfgenosse des Vaters aus dem spanischen Bürgerkrieg, der ihm dessen Tagebuchaufzeichnungen übergibt.

Der Chronist dieses Berichts findet besagte Aufzeichnungen in diversen Schachteln, und versucht mit deren Hilfe und der Unterstützung des Dorfpfarrers die Geschichte von Georges Knecht zu rekonstruieren. Auch er bekommt sehr schnell zu spüren, auf welch explosives Material er gestoßen ist, und wie weit der Arm des Fabrikanten Hinrichsen reicht.

Dieser Roman erschien erstmals 1978 und war bis jetzt nicht lieferbar. Der Lenos-Verlag bringt nun sukzessive das Werk von Walther Kauer wieder auf den Markt, dessen Romane sich immer mit sozialen Themen beschäftigen, wobei er Einzelschicksale in einen historischen Zusammenhang stellt.