Buch des Monats

11/08

Frau und Buch

Hanna Mandel: Beim Gehen entsteht der Weg

Argument-Verlag, 253 Seiten, 17,90 €

Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz traf sich der Publizist Norbert Reck mit der Überlebenden Hanna Mandel, um ein Interview für die Dachauer Hefte aufzuzeichnen. Diese war Journalisten gegenüber sehr skeptisch: > Die schreiben hinterher so, dass ich mich nicht mehr wiedererkenne<. Um so erstaunlicher, dass aus diesem Treffen eine zehnjährige Zusammenarbeit der Beiden entstand und Hanna Mandel bereit war ihre Erlebnisse, in Form eines Buches, der Öffentlichkeit vorzustellen.

Hanna Mandel wurde im Alter von 17 Jahren mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert und überlebte als einzige.

Sie erzählt von ihrem Leben, dem Aufwachsen in einer jüdischen Familie in Rumänien und Ungarn vor dem Krieg, der Zeit in Auschwitz und vom Überleben nach dem Überleben.

Sehr offen und selbstkritisch betrachtet Hanna Mandel ihr Leben und beschreibt schonungslos, wie schwer es für sie war nach dem Krieg die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie spricht über ihre Familie, sie heiratet und hat vier Töchter, schildert, wie sie es nicht schaffte, den Bedürfnissen der ersten Tochter gerecht zu werden, zu tief war sie mit dem Erlebten verwurzelt. Doch immer war sie bereit an sich zu arbeiten, wenn sie erkannte, dass sie etwas ändern müsse.

Neben dem Kampf um materielle Sicherheit war sie ständig bemüht, einmal erkannte Fehler zu bearbeiten, und aus den gemachten Erfahrungen zu lernen.

Sie gab diese Erfahrungen gerne in Vorträgen weiter und engagierte sich für Frieden, Umwelt- und Frauenfragen.

Hanna Mandel hat nicht resigniert, sondern entwickelte ein leidenschaftliches Interesse an der Zukunft der Welt. Sie starb im Frühjahr 2003 und konnte somit das Ergebnis dieser zehn Jahre Arbeit nicht mehr erleben.