Buch des Monats

05/07

Frau und Buch

Lili Hahn: "...Bis alles in Scherben fällt."

Tagebuchblätter 1933-1945

Argument Verlag, 511 S., 19,90 €

Lili Hahn wurde 1914 in Frankfurt am Main in großbürgerlichen Verhältnissen geboren. Mit der Machübernahme durch die Nazis änderten sich die Lebensverhältnisse für die Familie schlagartig., da Lilis Mutter Jüdin war.

Die Autorin arbeitete bei einer kleinen Zeitung als Journalistin für das Feuilleton. Nachdem sie 1936 mit einem Berufsverbot belegt wurde, blieb ihr Tagebuch die einzige Möglichkeit, weiter schreibend ihre Gedanken und Gefühle festzuhalten, und gegen die Vereinsamung anzuschreiben. Diese Aufzeichnungen geben nur wieder, was sie selbst erlebt hat und zeigen doch gleichzeitig einen individuellen Blick auf die Konsequenzen, die das Dritte Reich für die Menschen nach sich zog. Erstaunlich ist ihr Scharfblick, wenn es um politische Vorhersagen geht, um Einschätzungen für die Zukunft.

Der große Reiz dieses Buches besteht darin, dass es nicht nachträglich, rückblickend über die Ereignisse berichtet, sondern im Moment des Geschehens dokumentiert wird und somit ein authentisches Zeitgemälde darstellt. Dieses Buch liest sich wie ein spannender Roman, nicht zuletzt durch die nüchterne, teilweise sarkastische Sprache der Autorin, die nie in Weinerlichkeit verfällt.

Bereits 1979 erschienen, liegt jetzt endlich eine Neuauflage dieses wichtigen Zeitzeugnisses vor.

Aus dem Vorwort:

...Als das Dritte Reich ausbrach, war ich neunzehn Jahre alt, jung und formungsfähig. Ich gehörte zu einer Generation, für die der erste Weltkrieg geführt wurde – um ihr eine bessere Zukunft und einen dauerhaften Frieden zu sichern. Als das tausendjährige Reich und der zweite Weltkrieg zu Ende war – der ebenfalls für einen dauerhaften Frieden geführt wurde – war ich einunddreißig. In den Ruinen, der Asche und dem Schutt lag meine Jugend begraben, all meine Träume und meine Gesundheit.