Buch des Monats

04/07

Frau und Buch

Kathrin Aehnlich: Alle sterben, auch die Löffelstöre

Arche Verlag, 250 S., 19,00 €

Dies ist die Geschichte von Paul, der am vorletzten Tag des Jahres an Krebs gestorben ist, und Skarlet seiner besten Freundin.

Skarlet (mit k und einem t) und Jean-Paul, von Tante Edeltraut im Kindergarten hartnäckig "Schangbol" genannt, lernen sich ebendort kennen und lieben. Sie werden nie ein Liebespaar, bleiben aber ein Leben lang in enger Freundschaft verbunden. Und jetzt am Ende eines Jahres hält Skarlet den allerletzten Brief von Paul in Händen, mit seiner allerletzten Bitte: "ein bisschen Geschichtenerzählen, ohne Pathos" und das an seinem Grab.

Mit dieser Bitte beginnt der Roman, mit ihrer Erfüllung endet er. Dazwischen erinnert sich Skarlet an all die Zeit mit und neben Paul. Aus den Erinnerungsbilder, wie kleine Puzzleteile zusammengetragen, werden ihrer Lebensspuren sichtbar. Eine Kindheit im Osten, die sich doch eigentlich nicht allzu sehr von der im Westen unterscheidet. Kathrin Aehrlich erzählt hinreißend über Erwachsenwerden, Träume, Hoffnungen, Freundschaften, das Leben und den Tod, und bei all dem werden eigene Erinnerungsbilder wach. Sie ist eine Meisterin der kleinen Bögen und beherrscht das Beiläufige wie das Kuriose, erzählt mit Seitenblicken voller Humor und Tiefblicken voller Traurigkeit.

Nur ganz wenige Bücher, die das Sterben thematisieren, haben mich auf ähnliche Weise wohltuend berührt. Besonders, wenn das Sterben nahebei ist, ist dieser Roman sehr tröstlich, macht das Sterben zu einem ins Leben integrierten Prozess und vertreibt Grau mit Licht.

Ein Lesevergnügen, witzig, traurig, anrührend und am Ende wunderschön.