Buch des Monats

10/2006

Frau und Buch

Silke Schwinger: Ein Tag in Jerusalem

Mandelbaum Verlag, 202 S., 15,80 €

An diesem einen Tag geschieht viel im Heiligen Land. Minutiös erzählt Silke Schwinger vom Alltag und den alltäglichen Sorgen einzelner Menschen, in Israel und Palästina, Araber, Christen und Juden. Geschichten von Angst und Tod, Verzweiflung und Hoffnung, Wünschen und Träumen – und alle Geschichten sind wahr.

Die Lebensgeschichte von Katalin, der Protakonistin, deren Traum von Heimat nur in Israel zu leben ist, und das, weil ihr als kleinem Kind ein Stück Liebe und Heimat nur in der benachbarten, jüdischen Familie zu Teil wurde. An diesem einen Tag läuft ihr ganzes Leben noch einmal vor ihrem inneren Auge ab. Ihr Aufbruch aus Russland mit ihrem kleinen Sohn, ihre Heirat mit einem Juden in Wien und ihr weiterer Weg in ihre geliebte "Heimat" Israel. Ihr Kampf und ihr Scheitern und am Ende vielleicht doch ein kleiner Sieg, wäre da nicht .....

Dies ist ein Roman, aber keines der Schicksale und Ereignisse die hier geschehen sind erfunden. Das Leben, das Überleben und das Sterben an diesem Tag, der mit einem Selbstmordattentat endet, hat sich genau so zugetragen. Es ist ein dokumentarischer Roman, der durch seine minutiöse Zeiteinteilung den Leser unter Spannung setzt, der das heutige Leben in Israel beschreibt ohne Schuldzuweisung an irgend eine Seite, nüchtern von Fakten handelt – ein Stück Zeitgeschichte mit dem bitteren Beigeschmack, dass alles was hier beschrieben wird noch lange Zeit Gegenwart sein wird.